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Bergwacht  Thale

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Vor etwa 200 Jahren begannen Rockgiganten Geschichte zu schreiben.

Inzwischen sind ihre Gipfel Legende.

Irgendwann fühlt man sich nicht mehr als Bergsteiger. Vielleicht, wenn schon lange kein richtiger Berg bestiegen wurde. Mittelgebirgsklettern, Klettersteige oder auch Bergwandern sind irgendwie nicht dasselbe. So beschloss meine Sehnsucht, die Schinderei der Vergangenheit zu vergessen und wünschte sich bis zum 55. einen Berg. Der Möglichkeiten gibt es viele, aber es bohrte im Hirn der Mont Blanc. Passend zu meinem 50. Geburtstag war der Drang am größten. Torschlusspanik? Die Ausrüstung musste auf neuen Stand gebracht werden. So fiel es nicht schwer Geschenkwünsche in aller Bescheidenheit vorzutragen. Steigeisen und Pickel wurden von der Thalenser Bergwacht und den Freunden geschenkt.
2002 war die Motivation am Sieden und los ging es zu Ralf nach Tambach -  Dietharz.
Mit Petra und Ralf sollte es nach Chamonix gehen. Meine Marion wurde krank und es wurde nix mit Chamonix. Aber 2003 hatte meine Liebe den guten Gedanken, ich alter Sack sollte mich mal beeilen zum Mont Blanc zu fahren bevor ich das Verfallsdatum erreicht habe. Eigentlich war ich nicht so erbaut und heiß auf die Sache. Wahrscheinlich schon Wechseljahresgleichgültigkeit.

Irgendwie war die Fahrt dann doch mit Ralf abgesprochen und es ging nach Tambach und von dort in die Schweizer Alpen zur Höhenanpassung.
Erstes Ziel: Ich wusste es nicht, aber es war jener schöne Berg, den man von der Autobahn bei Bern manchmal sieht. Die Blümlisalp.

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Zack runter von der Autobahn und nach Kandersteg im Berner Oberland. Eine Nacht im Passat, besser als vor der Toilette im Expresszug in die Hohe Tatra.

Nach dem Frühstück zum Sessellift, der 1 ½  Stunden Gehzeit spart. Runter vom Gartenstuhl, schon in guter Höhe verliere ich meinen Ralf, aber irgendwann werde ich ihn ja an seiner markanten Hose wiedererkennen - dachte ich. Vorbei am wunderschönen Oeschinensee. Dann kommt schon bald die erste Alpe und Ralf war nicht zu sehen, auch nicht in der Jausenstation, wo er eigentlich hingehörte. Dafür sah ich aber das Gewitter, was sich langsam ankündigte. Nach drei Stunden noch kein Ralf,  aber Nebel und Hagel ließen auch keine Langeweile aufkommen. Ich setzte erst einmal den Helm auf, um meine Karosserie nicht zu beschädigen. Nun folgte die Zeit der Schläge. Hagelschlag, Blitzschlag, Donnerschlag, Steinschlag und sicher nicht zuletzt Herzschlag. Lieber vom Blitz gerührt, als vom Stein erschlagen, dachte ich mir und kauerte mich hinter einen großen Felsbrocken. Die Stöcke legte ich weit weg. Just kamen drei junge Leute, die auch zur Hütte wollten. Es konnte nicht mehr weit sein. Erst legten auch sie ihre Stöcke auf mein Anraten weg. Aber eine der beiden Frauen fand das nach ein paar Minuten ziemlich langweilig, nahm die Stöcke und wollte auf den Grat, auf welchem wir die Hütte vermuteten. Kopf über dem Grat, Blitz und Donner waren eins. Es war lustig, wie schnell sie ihre Meinung änderte und die Stöcke wegflogen. Weniger lustig, dafür aber spannend, war die Tatsache, dass die andere Begleiterin stark unterkühlt und ziemlich willenlos zur Hütte wankte. Nach zwei Stunden schmiedete sie aber schon wieder kühne Pläne und wollte den einen oder anderen Berg umreißen.

Plötzlich entwickelte sich eine wilde Telefoniererei. Petra rief aus Tambach an, wo ich denn sei. Ralf saß derzeit beim Underbergli. Na, was er da wohl tat? Natürlich sich um mich sorgen. Jedenfalls haben die Hüttenwirte klargemacht, dass Ralf am nächsten Mittag bei mir ist. Es war noch Scheißwetter, so das nichts anbrannte. Ralf kam dann auch aus dem Nebel und entschuldigte sich mit einem Bier, was er auch eigenhändig trank.

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Um halb vier war Wecken. Hütte 2834m – Blümlisalphorn 3657m. Ein bisschen Gletscherlatscherei und dann kam der Einstieg in den Normalweg. Es war schon ein beeindruckender Grat. Besondere Eindrücke vermittelte der Gegenverkehr im steilen Eis und der phantastische Blick auf den Oeschinensee. Vom Gipfel ging es gleich in großen Schritten hinunter an der Hütte vorbei zum Sessellift nach Kandersteg. Letzte Fahrt des Gartenstuhls war 18 Uhr 30. Zu unserer Freude fuhr der Sitz um 18 Uhr 35 nicht mehr. Na ja – Schweizer Pünktlichkeit. Ein tierischer Abstieg parallel zum Sessel begann. Die kleine Zugabe nach stundenlangem Abstieg wurde nur noch von meinen aufgescheuerten Schienbeinen getoppt, denn die Kanten der Plasteschuhe haben ganze Arbeit an meinen Beinen geleistet. Fast hätten wir an die See umgebucht. Mit etwas Salbe von einem thüringer Schamanen und dem alten Bergsteigertrick – Strümpfe abschneiden und die übergebliebenen Schläuche auf die löchrigen Beine als Polster gezogen wurde die Fahrt mittels Zugverladung in Kandersteg fortgesetzt.

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So führte uns die Spur nach Zinal auf den Zeltplatz und am nächsten Tag einen schönen langen Anstieg zur Cabane de Tracuit. Merkwürdige Leute haben wir da ertragen müssen, z.B. Miss Piggy. Ich will aber nicht ausschweifend werden. Um uns besser an die Höhe zu gewöhnen, beschlossen wir, es mit Höhenanpassungsbeschleuniger zu versuchen. Dem roten! Für 4000 Höhenmeter. Kann ich empfehlen – schmeckt etwas nach Bordeaux. Wecken 4 Uhr 30. Chaos. 150 Menschen ergossen sich in den Gastraum. Wichtige Fragen stellten sich, Z. b.: Wo ist mein Eispickel? Hast du meine Steigeisen gesehen? Alle wollten zur gleichen Zeit los. Ralf und ich ließen es ruhig angehen. Es war ein elendes Gletschergelatsche bei krachender Sonne. Die Höhe tat Ihr Übriges. Oder war es der Rote? Auf dem Gipfel bei gleißendem Firn gab es eine herrliche Aussicht auf das zum Greifen nahe Weißhorn. Sicher hätte Ralf noch gern den Grat auf das Weißhorn gemacht, aber in der Ferne lockte der weiße Berg. Also Abstieg bis nach Zinal in unseren Wohnpassat. Noch schnell ein paar Fotos von den schönen Bauernhäusern und über Martigny, Col de la Forclaz , Vallorcine nach Chamonix.

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In Vallorcine meldeten wir uns im „Skirock“ für die Nacht an. Für 12 Euro mit Frühstück ein für französische Verhältnisse billiges Vergnügen. Zumal die Besatzung sehr freundlich zu uns war. Jedem als Lager zu empfehlen. Vergnüglich setzten wir uns ins Auto und schoben die erste silberne Oblate zwischen die gierig geöffneten Lippen des CD Players. Unter den Harvenklängen und donnergleichem Lärm von AC-DC’s Highway to Hell chauffierten wir in die Welthaupstadt des Bergsteigens ein. Es war überwältigend die berühmten Felsen und Berge zu sehen. Zuerst erkundigten wir uns im Maison de la Montagne nach der Wetterprognose. Von Sonntag bis Donnerstag war die Urglut angesagt. Die Zugänge von der Aiguille du Midi waren gesperrt, so dass eigentlich nur der Weg über die Aiguille de Gouter und den Bossegrat blieb. Nun hatten wir etwas Zeit und wir lebten ein paar Stunden wie Alpengott in Frankreich. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den Dru, der Auguille du Midi welche das Tal beherrscht und dem bescheiden im Hintergrund stehenden Mont Blanc. Nach den Köstlichkeiten für Augen und Kehle zog es uns allerdings noch nach St. Gervais, um die Abfahrtzeit der Zahnradbahn zu checken.
Früh fuhren wir los, denn 7 Uhr 15 fuhr die erste, die Anne. Himmel und Menschen stiegen zu. In aller Ruhe wurden noch die Fressalien für die am Schienenstrang gelegenen Hotels geladen und schon zogen die Zahnräder den Zug mit atemberaubenden 15 km / Stunde nach oben. Bis wir endlich an der Nid D’ Aigle (Adlerhorst) Endstation angekommen waren. Nun trampelten alle Passagiere sich quetschend und schiebend hinaus auf den Steig zur Refuge Tete Ruosse, wo wir dann auch ankamen. Hier wurde der ganze Tag damit verbracht das Grand Couloir, den gewaltigen Steinschlag und die ameisenkleinen Bergsteiger am Grat zu beobachten. Es tat ganz gut, dass wir uns die Zeit auf der Hütte gönnten, so waren wir schön fit für den Gang am nächsten Tag.

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Um 6 Uhr wollten wir los. Zwei riesige Steinlawinen, vom Volumen wie die Sprengungen in den sibirischen Diamantgruben, nahmen uns erst den Mut, aber man vergisst gern schnell und kann plötzlich auch so laufen. Eigentlich ist die Querung durch die Rinne durch ein Stahlseil abgesichert, aber es lag kein Schnee, so dass wir gar nicht an das Seil heranreichten. Erst guckte ich und Ralf lief, dann guckte Ralf  und ließ mich laufen. Unter Schnaufen und Gestöhn gelangten wir zur Gouterhütte. Ich war zu faul, unterwegs etwas zu trinken und so schwächelte ich dann etwas. Wie ein 100 l Kamel ziegelte ich mich auf und schluckte 1,5 l Wasser in kürzester Zeit hinunter. Das hatte ich im ganzen Leben noch nicht geschafft. Frisch aufgetankt war der Unternehmungsgeist  neu angefacht und wir marschierten an den Biwaks oberhalb der Hütte vorbei über den Dom de Gouter. Dort gab es einen schönen Blick zur Bionassey und deren schönen Grat zum Gouter. Bald kam der Höhepunkt des Tages. Die Vallothütte, vor der man nur warnen kann. Voll verdreckt und von Tschechen okkupiert erwartete sie uns zu einem Notbiwak. Draußen biwakieren ging nicht, da Donar uns seine Pfeile zornig entgegen schleuderte. Nach grausiger Nacht, die Tschechen verteidigten arrogant, dafür aber gnadenlos, auch den letzten halbwegs bequemen Biwakplatz, stiegen wir zusammen mit vielleicht ungelogen 200 Menschen in Richtung Mont Blanc – Gipfel. Eine Spalte, steiler Firngrat und ein paar mal Steigeisenzacken dicht  neben dem Seil erschütterten uns nicht und so gab es bald den erlösenden Händedruck und bei feinstem Wetter den schönsten Rundblick über alle Alpen dieser Welt.

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Fotos und runter – dachte ich. Aber Ralf dachte anders. Und das war gut so. Er meinte, wir würden die Überschreitung über den Mt. Maudit und Mt. Blanc du Tacul machen. Auch gut. Schon waren wir allein. Herrliche Querungen am Mt. Maudit in festem Firn und große Spalten erwarteten uns. Von der Ferne winkte die Spitze der Aiguille du Midi durch die Wolken. Einige schöne Abseilen nötigten uns etwas Mut ab und unter lustigem Steinschlaggezische landeten wir im Col vor dem Mt. Blanc du Tacul.

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Den querten wir auch und seilten einige ausgesetzte Gletscherflanken ab, an dem Spanier vorbei, der uns im Weg stand und gelangten nach etlichen festen Schritten im Col du Midi. Auf den letzten 270 Höhenmetern in Richtung Seilbahn brannte die Sonne unerbittlich und machte die letzten Schritte zur Motivationsfrage. Ich sage euch, das war einer für Männer. Bevorzugt bekamen wir gleich eine Platzkarte für die Gondel nach Chamonix. Siehe da eine halbe Stunde später tranken wir unser erstes Bier im LaDru. Schnell das Auto aus St. Gervais geholt und dann nach Vallorcine ins Hotel zum Ausruhen. Mit den netten Leuten aus dem Hotel wurde dann der Abend bei Pastis und Obstler gebührend abgeschlossen.

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Einen Tag hatten wir noch. Prima Gelegenheit noch einen Klettersteig zu machen. Also zurück in die Schweiz nach Leukerbad. Was wir an Hotelkosten in Frankreich gespart hatten, zahlten wir dafür dort drauf. Sellerie, so ist das Leben. Wir kletterten den Leukerbader Klettersteig am Daubenhorn. 1000 m ausgesetzter Felsen, sehr sicher, sehr lang und ein phantastischer Ausblick. Der Abstieg geht über den Daubenhorngletscher – spaltenlos – zum Gemmipass. Mit der Seilbahn bequem zurück nach Leukerbad direkt zum Bier.

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Die Ankunft am nächsten Nachmittag in Tambach – Dietharz wurde noch mal zu einem Höhepunkt, da uns unsere Frauen dort erwarteten und wir die zwei Wochen mit einer zünftigen Wildwasserfahrt auf dem Schmalwasser quer durch den Ort abschlossen.

Zwei herrliche Bergwochen waren zu Ende und bleiben unvergessen.

 

Danke Ralf!

 

                                                                                                             Bodo  

 

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