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Bergwacht  Thale

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Bergrettung grenzenlos

23.09-25.09.2005

Am Freitag Nachmittag den 23.9.2005 setzten sich 4 Mitglieder der Bergwacht Thale in Richtung Elbsandsteingebirge in Bewegung. Ziel der Fahrt war ein internationaler Bergwachtwettkampf, der dieses Jahr in der sächsischen Schweiz stattfinden sollte. Erwartet wurden 20 Mannschaften z. T. aus Thüringen, Baden-Württemberg, Bayern, einige aus Sachsen, sowie 4 Teams aus der Tschechei und Polen. Die Harzer Gruppe bestand aus dem Betreuer Guido Blaschek und der Mannschaft: Susann Wenzel, Uwe George und Michael Severin.

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Am frühen Abend kamen wir an unserer Unterkunft, dem Ferienlager ERNA, an. Scheinbar wurde unsere Einreisegenehmigung in den Freistaat Sachsen bewilligt.
Die letzten Sonnenstrahlen nutzten wir und fuhren schnell zum Papststein. Nach einer kurzen Klettertour konnten wir noch einen Blick auf  eine Station werfen, die uns Tags darauf erwarten würde. Die Organisatoren hatten zwischen 2 Gipfeln ein ca. 70m langes Seil in etwa 40m Höhe gespannt. Das aufgetretene Schweigen durchbrach der Kommentar unseres Betreuers: „Ich beneide euch, das ihr da rüber dürft.“ Allerdings war der Rest der Truppe nicht ganz so optimistisch.

Zurück in der Unterkunft mussten die Betreuer die Startnummern und –Zeiten auslosen. Die meisten hoffen, dass man eher am Ende startet um sich an den Zeiten der anderen Mannschaften orientieren zu können. Guido bewies sein glückliches Händchen, also bekamen wir die Startnummer 1. Etwas später rekapitulierten wir nochmals einige Teile unserer Bergwacht-Ausbildung, vor allem ältere Methoden.
Man kann ja nie wissen was sich die Sachsen noch so ausdenken.

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Am nächsten Morgen hiess es dann früh aufstehen, um mit den bereitgestellten Shuttle-Bussen rechtzeitig zum Start zu kommen. Vor Beginn noch schnell die Ausrüstung angelegt, damit das Gewicht der Rucksäcke reduziert wird.
Um 9:45 Uhr ging es dann los und wir erreichten bereits nach wenigen Minuten die 1. Station.
Hier war praktische Erste Hilfe gefragt. Ein Verunfallter mit Unterschenkel-Verletzung sollte in kürzester Zeit transportfähig gemacht werden.

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Danach war der gemütliche Teil zu Ende. Jetzt ging es quer durchs Gelände steil bergauf. Auf dem folgenden Teilstück musste ein Orientierungslauf durch die, für Sachsen typischen Spalten und Schluchten, bewältigt werden. Nach „Wie ging denn das mit dem Kompass.“ und graben in alten Erinnerungen, fanden wir den Weg dann doch recht gut. Leider ging es jetzt wieder bergauf zum Fuss der Felsen, zwischen denen das Seil gespannt wurde. Damit wir dorthin gelangen, sind wir den Fels ein Stück aufwärts um dann, Rucksack voran, durch ein Loch auf die andere Seite zu kriechen. Nun einen überhängenden Wandteil überwinden und Oben angekommen etwas Kraft sammeln. Das war auch bitter nötig, denn das Überqueren des gespannten Seiles war ziemlich anstrengend und forderte volle Konzentration. Natürlich sind die Teilnehmer immer doppelt gesichert gewesen. Nun musste nur noch der Gipfel verlassen werden, indem wir über der Talseite ca. 50 – 60m abseilten.Beim Abseilen hängt man mit einem Sicherungsgerät im Seil und mit den Händen kann man kontrollieren, wie schnell das Seil durchrutscht.

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Bei solch langen Strecken mit einem gewissen Tempo, es geht ja um Zeit, kann es an den Händen auch mal recht heiß werden. Das Trinken, welches unser Betreuer am Wandfuß bereitstellte, wurde daraufhin zweckentfremdet. Irgendwie mussten wir ja unsere Hände kühlen. Es gab Teilnehmer, die leider leichte Verbrennungen davongetragen haben.
Deswegen Aufgeben? 
Natürlich kam so etwas für niemanden in Frage, dafür war der Wettkampf viel zu Interessant.

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Etwas erfrischt ging es auf die Suche zur nächsten Station, die nicht so einfach zu finden war. Nach etwa 1 km haben wir sie dann erreicht, und schon wieder 15 überhängende Meter an einem Seil hinauf. Damit es jetzt nicht langweilig wird, erstmal steil bergauf zum Gipfel des Papststeins.
Hier stand die Kameradenbergung im Vordergrund. Denn ein Kletterer sollte in der Lage sein, einen verletzten Seilgefährten wieder sicher zum Boden zu bringen. Dazu nimmt der Retter den Kameraden auf den Rücken, um ihn von der Wand wegzudrücken. Das Gewicht des Verletzten, sowie des Helfers, hängt dabei in einem Sicherungsgerät etwas oberhalb der Beiden im Seil.

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Als nächste stand ein Wissenstest auf dem Programm, aber erst nach einem Abstieg vom Papststein, um sich danach den Gohrisch-Stein hinauf zu quälen. Wahrscheinlich hatten wir einfach noch nicht genügend Höhenmeter zurückgelegt.
In diesem Test ging es um medizinische Kenntnisse, die über Erste Hilfe und zum Teil Sanitätskurse  hinausgehen. Aufgrund unserer Ausbildung hatten wir mit diesem Test wenig Schwierigkeiten.

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Am Aussichtspunkt des Gohrisch-Steines bereiteten wir uns auf eine 50m lange Abseile vor, während wir schnell einen Blick auf den Lilienstein, die Festung Königsstein und die Barbarine, das Wahrzeichen der sächsischen Schweiz, werfen konnten.
Die größte Gefahr beim Abseilen besteht dann, wenn die Füße von der Wand wegrutschen, und man die Hände aus Reflex an die Wand legt. Das Seil würde in diesem Fall unkontrolliert durch das Sicherungsgerät lauf.
Aus diesem Grund wird eine kleine Schlinge mehrfach um das Seil gelegt. Bei Belastung zieht sich die Schling fest und verhindert einen Absturz.

Unglücklicherweise kann sich die Schlinge auch dann zuziehen, wenn man nicht richtig aufpasst. Genau das passierte mir in 25m Höhe. Da die Schlinge um ein parallel verlaufendes Sicherungsseil gelegt werden musste, war die Handhabung etwas schwieriger und ich sass fest.
Und unter Belastung bekommt man den Knoten einfach nicht auf. Vor allem dann nicht, wenn man zum Ende des Wettkampfes bereits einen Grossteil seiner Kraft beraubt wurde.
Für solche Situationen haben einige Kletterer ein Messer dabei, um das Problem auf die direkte Weise zu lösen, die schon Alexander der Große beim Gordischen Knoten anwendete.
Natürlich hatte ich kein Messer dabei.

Also Ruhe bewahre, überprüfen welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen und dann improvisier. Kaum den Boden erreicht, sofort wieder den Laufschritt aufnehmen und den Hang hinunter zur 9. und letzten Station. Dort sollten wir auf vorher festgelegten Routen auf einen kleinen Felsen hinaufklettern. Nach der Kletterei wieder Rucksäcke schultern und dann die letzten Meter dem Ziel entgegen, welches wir nach ungefähr 4 Stunden erreichten.

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Die erste Amtshandlung unseres Betreuers bestand dann auch darin, uns ein kühles Blondes zu organisieren. Unglücklicherweise verdampft der grösste Teil des Bieres bevor es den Magen erreichte. Frisch gestärkt ging es zurück zur Unterkunft und gleich wieder los um noch ein wenig privat klettern gehen zu können. Schliesslich musste man ja die Zeit bis zur Siegerehrung nutzen. Immerhin ist man nicht jeden Tag im Elbsandsteingebirge.

Kurz vor der Siegerehrung  traten dann noch die Betreuer bei einem nicht ganz ernst gemeinten Wettstreit gegen einander an. Sie mussten dabei einen mit Wasser randvoll gefüllten Becher über einen Hindernis-Parkour bringen. Der Becher hing dabei nur an einer Schnur, die  um die Hüfte gebunden wurde. Jedenfalls ging Guido als Sieger hervor.
Beim richtigen Wettkampf gab es 2 Sieger, die Bereitschaften Polen1 (eine der Favoriten) und Meißen.
Am Abend feierten Alle zusammen, egal woher sie kamen. Verständigungsprobleme gab es kaum. So dauerte es bei Einigen bis in die frühen Morgenstunden bevor sie ihr Lager aufsuchten.

Der nächste Morgen stand an ebenfalls ganz im Zeichen des Kletterns, obwohl der vorangegangene Tag unsere Leistungsbereitschaft etwas dämpfte.
Als wir am späten Nachmittag die Heimat erreichten, stand für uns fest:
Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei.

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Berg Heil

       Michael Severin

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